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BG Kritik: „Drachenzähmen leicht gemacht 2“

7. Juli 2014, Christian Mester

Im Wikingerdorf Berk steht ein Umschwung bevor, denn Häuptling Haudrauf will so langsam in Rente gehen. Sohnemann Hicks soll ihn würdig ablösen, doch anstatt sich darauf vorzubereiten, erkunden der und sein Drache Ohnezahn lieber das unerforschte Land. Was dort auf sie wartet: gefährliche Drachensammler, ein mysteriöser Schamane und ein alter Feind, der die Machtverhältnisse der ganzen Welt ändern will. Drachenzähmen leicht gemacht 2 hat’s gewiss nicht leicht, denn er muss einen der besten Animationsfilme der letzten Jahre fortführen. Kann er das?

(C) Paramount Pictures

Drachenzähmen leicht gemacht 2
How to Train your Dragon 2 (US, 2014)
Regisseur: DeBlois, Sanders

Kritik:
Schon in den ersten Minuten wird veranschaulicht, dass sich die Welt um Berk merklich verändert hat. Die ehemals Drachen fürchtenden, „harten“ Wikinger leben nun im fröhlichen Einklang mit den Kreaturen und haben sie fest in ihren Alltag integriert, als Hund-, Katz- oder Motorradersatz. Verschwunden sind die Macho-Attitüden, wie die Welt zu sein hat, und wie ein Mann zu sein hat. Hicks, der den Respekt seines Vaters im ersten Film für sich gewinnen konnte, sträubt sich vor den langweiligen Aufgaben eines Thronsitzers. Er will frei und ungebunden sein, durch die Welt jagen und neues entdecken. Sorgen für den Häuptling und Wehmut für Hicks‘ Freundin Astrid, die ihm gern näher kommen würde.

(C) Paramount Pictures

Der erste Film (Kritik) war in mancher Hinsicht sehr mutig, denn wann erwischt es den Helden schon mal so schwer, dass er fortan mit einer Prothese auskommen muss? Teil 2 beginnt ebenso mutig, indem er die typische Zeitstarre von animierten Fortsetzungen verlässt. Während Manny, Diego und Sid in scheinbar jedem Ice Age gleich alt bleiben, ist Hicks jetzt fünf Jahre älter und kein Jugendlicher mehr, sondern 20. Dass er des Vaters Job übernehmen soll und eigentlich was eigenes machen will, ist ein typisches Motiv, das aber auch nur Anstoß für mehr bleibt. Was Hicks draußen bei seinen Reisen findet, beeinflusst nicht nur seine Jobaussichten, es erklärt vieles über ihn und die Welt der Drachen.

Ulkige Wikinger a la Wickie und die starken Männer, bunte und knuffige Drachen – normalerweise könnte ein Film wie dieser aalglatt auf Kinder reduziert sein. Lasst die Drachen furzen, die Wikinger zu Macklemore abdancen und ein simpelstes Heldenthema durchlaufen, in dem der Held den Tag rettet und die Prinzessin kriegt, fertig wäre ein Film, der reichen würde. Die Regisseure Dean DeBlois und Chris Sanders haben allerdings wie schon beim ersten Film begriffen, dass ein Film mit kindlichen Bildern nicht kindisch sein muss, keine Erwachsenen verschrecken sollte. Humor ist weit vertreten, Ohnezahn ist mal wieder unglaublich putzig und die Handlung ist schnell und kurzweilig, sodass jeder unter 10jährige hellauf begeistert ist, doch mit Hinzunahme einer emotionalen, wendungsreichen Handlung und einem starken Charakterbogen für Held Hicks deklassiert dieser Film, der Figurennamen wie Grobian oder Haudrauf auffährt, Filme wie Amazing Spider-Man 2 oder Transformers 4 zu dumpfer, unreifer Kinderbelustigung.

(C) Paramount Pictures

Der Film wirft sich mit aller Wucht in eine emotionale Geschichte über Verlust und Vergebung, über Schmerzen, Verantwortung und schreckt nicht vor Tod und Tragik zurück (natürlich kindgerecht umgesetzt). Das Ergebnis ist eine witzige und actionreiche, aber vor allem bewegende Geschichte, die Hicks und Ohnezahn zu soviel mehr werden lässt als beispielsweise die Autos aus Cars oder die Zootiere aus Madagascar. DeBlois und Sanders orientieren sich an Werken wie König der Löwen, Die Schöne und das Biest, Feivel der Mauswanderer oder Charlie: Alle Hunde kommen in den Himmel. Filme, die was auslösen und im Gedächtnis bleiben. Mit Bravour, denn Drachenzähmen leicht gemacht 2 ist wieder ein voller Erfolg geworden. Bis auf die Tatsachen, dass das Drachenfliegen nicht mehr neu ist und am Ende wieder ein Riesendrache als Gegner aufwartet, segelt das Sequel mit Stolz mutig ins nächste Kapitel. Mit gleich drei offenen Mysterien – wer sind die Drachenjäger, für wen arbeiten sie und wer ist Schamane – wirkt der Film zunächst überfüllt, doch es wird gut zusammengeführt und sorgt dafür, dass man längere Zeit nicht weiß, was worauf hinauslaufen wird. Vorbildlich ist, dass die Drachen und ihre Actionszenen nicht übersichtlicher sein könnten. Die Flugszenen in 3D sind wieder großartig, die verschiedenen Drachendesigns toll und im Gegensatz zu den Transformers sehr leicht voneinander unterscheidbar.

Fazit:
Fortsetzung scheinbar leicht gemacht – der zweite Drachenzähmen steht dem Erstling in nichts nach. Eine bewegende, gut durchdachte Handlung, die die Geschehnisse des ersten Films wunderbar erweitert, viel Action und jede Menge feuriger Humor machen auch diesen zu einem der besten des Jahres.

8/10

Autor: Christian Mester

Dieser Filmenthusiast (*1982) liebt es, manchmal auch mit Blödsinn, Leute für Filme zu begeistern. Hat BG im Jahr 2004 gegründet und ist dann für Pressevorstellungen, Interviews und Premieren viel rumgereist, hat als Redakteur u.a. für GameStar geschrieben, war dann mal Projektleiter in einer Werbeagentur mit Schwerpunkt dt, Kinostarts und - schaut gerad vermutlich schon wieder was.