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BG Kritik: „Mortal Engines – Krieg der Städte“

7. Dezember 2018, Christian Mester

In einer Zukunft tausend Jahre nach unserer Zeit sind die Großstädte mobil geworden und fahren auf riesigen Rädern durch die kaum noch okkupierte Welt. Feindliche und kleinere Städte werden gejagt und buchstäblich geschluckt, um so noch möglichst gute Ressourcen zu erbeuten. Mortal Engines erzählt die Geschichte einer rachsüchtigen jungen Frau, die den Chefingenieur des Londoner Gefährts zu erledigen versucht…

Besser als Mortal Kombat? Geschrieben von den Machern der „Herr der Ringe“ Trilogie, kommt diese opulente Buchverfilmung über fahrende Städte, die sich in einer postapokalyptischen Welt um die letzten Ressourcen kloppen.

Mortal Engines – Krieg der Städte (USA 2018)
Originaltitel: Mortal Engines
Regisseur: Christian Rivers
Cast: Hela Hilmar, Hugo Weaving, Jihae

© Universal Pictures

Kritik:
Ganz vorab muss man erstmal darüber informieren, dass Mortal Engines entgegen aller Werbung NICHT von Peter Jackson, dem Macher der Herr der Ringe und Hobbit Trilogie gedreht worden ist. Zwar war der mit an Bord, hat produziert und das Drehbuch entwickelt, doch in erster Linie ist es der Debütfilm seines Freundes Christian Rivers, der an nahezu allen Jackson Filmen mitgewirkt hat. Eigentlich ist Rivers Spezialist für Spezialeffekte, und für seine Arbeit an King Kong 2005 konnte er den Oscar einheimsen.

Dass er in dem Arbeitsbereich nach wie vor gut ist, beweist das Effektgrandeur der cruisenden Städte. Selbstredend ist das Konzept in vielerlei Hinsicht Blödsinn, doch lässt man sich erstmal auf die originelle Idee ein (im Grunde sind es ja Piratenschiffalternativen), begeistert das Spektakel und hat mächtig Wumms unter der Motorhaube. Alle Szenen mit den fahrenden Häusern sind in Sachen Big Budget Action eine Augenweide, und auch in Sachen Ausstattung wird hier, ein klein wenig von Bioshock Infinite inspiriert, durchaus liebevoll eine faszinierende Welt geschaffen, die Mortal Engines prinzipiell erst einmal zu einem richtig sehenswerten Film machen, hat man denn ein Interesse an der Sichtung von gut umgesetzten Sci-Fi Welten.

Mortal Engines basiert auf einer vierteiligen Buchreihe, die lange vor der Hunger Games / Divergent / Maze Runner etc. Young Adult Trendwelle heraus kam, fühlt sich aber recht ähnlich an – mit zwei kleineren Unterschieden. Im direkten Vergleich fällt auf, dass die (vermeintlich) jungen Helden (Hela Hilmar sieht wie 19 aus, ist aber schon 29) wenig mit anderen jungen Leuten zu tun haben, und, dafür, dass Rivers und Jackson einen neuen Franchise starten, endet der Film überraschend abgeschlossen – man hat also nicht das Gefühl, erst das erste Kapitel einer größeren Reihe zu sehen. Damit streicht er prinzipiell schon mal zwei der großen Kritikpunkte an „diesen“ Filmen, die viele oft anprangern.

Hela Hilmar ist klasse als hastende Heldin mit wehenden Haaren, sieht um sich herum aber bloß Probleme heranfahren. Robert Sheehan, der ihren Partner spielt, hat das Charisma eines abgelaufenen Erdbeerjoghurts und fällt im Laufe des Films zurecht immer weiter in den Hintergrund. Die Asiatin Jihae will eine kampferprobte legendäre Pilotin abgeben, überzeugt mit ihrer aufgesetzten Möchtegern-Coolness aber nichtmal Schrebergartengärtner. Hugo Weaving ist wie immer sensationell, ist hier aber in einer eher einsilbigen Rolle gefangen, die ihm wenig Spektrum erlaubt. Noch einsilbiger ist Stephen Lang als komplett computeranimierter Zombie-Cyborg Shrike, der eigentlich absolut cool ist (und wie der Detektiv Nick Valentine aus Fallout 3 ausschaut), im finalen Film aber viel zu wenig vorkommt.

© Universal Pictures

Mortal Engines will ein Film wie eine Sommerlektüre sein, also ist das Erzähltempo hoch geraten, passiert ständig was, gibt es nie größere Wartezeiten. Das sorgt zwar dafür, dass der Film folgerichtig nie langweilig wird, raubt dem ganzen Szenario aber auch Momente zum Durchatmen. Nie ist Platz, diese Welt mal auf sich wirken zu lassen. Es gibt jede Menge bombastische Bilder, aber nie will Atmosphäre aufkommen. Nie kann man sich vorstellen, wie es wohl ist, in dieser Zeit zu leben. An dieser Stelle enttäuscht auch Filmkomponist Junkie XL, dessen Gedudel wie Temp-Musik wirkt, also wie Platzhalterstücke, die dann später mal durch richtige ausgetauscht werden. Dadurch, dass man nur Draht zur Außenseiterin hat, die sich null für andere Menschen interessiert und bereits bereit ist, jederzeit zu sterben, lässt das gesamte Geschehen relativ kalt. Zwar ist es ein wenig wie bei Mad Max Fury Road, dass sie sich langsam doch für das Wohlergehen ihres Partners interessiert, doch weil der so eine lahme Flasche ist, kümmerts trotzdem wenig. Wer was überlebt, wer wann stirbt, wie viele tausend Zivilisten in Explosionen im Hintergrund sterben. Nahezu lachhaft wird’s dann kurz vor Ende, wenn ein Charakter einem anderen verrät, dass er mit ihm verwandt ist – was nicht nur relativ flach ist, zu dem Zeitpunkt aber eh schon von weitem zu sehen war.

Wer die Bücher kennt, erhält eine relativ abgespeckte Best-Of Version des ersten Teils. Im Vergleich zur Vorlage ist die Heldin natürlich doch nicht schwer im Gesicht entstellt, sondern bloß mit stylischer Gesichtsnarbe verziert, die sie mitgenommen, aber längst nicht unattraktiv wirken lässt. Sie erhält wie gesagt eine größere Rolle als ihr Begleiter, und was neben dem Alltagskosmos an den verschiedenen Plätzen noch wegfällt, ist Reeves Faszination für Historik. In den Büchern sind die Figuren immer wieder fasziniert von den Relikten und Spuren der vergangenen, also, unserer Zeiten, doch im Film ist dafür keine Zeit. Also wird alles darauf runterreduziert, dass ein simpel-böser Charakter eine Superwaffe baut, die es wie immer aufzuhalten gilt.
Fazit:

Fazit:
Mortal Engines ist wie ein neuer Oblivion: ein technisch überdurchschnittlich umgesetzter netter kleiner Sci-Fi Film mit großen Bildern, der nie schlecht ist, aber wenig aus seinem eigentlichen Potenzial macht und für die breite Masse brav glatt geschmiergelt worden ist. Man mag mit Leichtigkeit lästern, dass Jacksons Hobbits nicht so gut geworden sind wie die vermutlich besten Filme überhaupt, seinen Herr der Ringe Trilogie, aber im Vergleich zu diesem reinen Effektespektakel sind es fraglos sensationelle Erfolge.

5/10

Autor: Christian Mester

Dieser Filmenthusiast (*1982) liebt es, manchmal auch mit Blödsinn, Leute für Filme zu begeistern. Hat BG im Jahr 2004 gegründet und ist dann für Pressevorstellungen, Interviews und Premieren viel rumgereist, hat als Redakteur u.a. für GameStar geschrieben, war dann mal Projektleiter in einer Werbeagentur mit Schwerpunkt dt, Kinostarts und - schaut gerad vermutlich schon wieder was.

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