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BG Kritik: „The LEGO Movie 2“

5 Jahre nach der Duplo-Invasion herrschen postapokalyptische Zustände in Steinstadt – pardon: Apokalypstadt. Nur Emmet, einst der Auserwählte, kann nichts so schnell vom fröhlichen „Hier ist alles super!“-Singen abhalten. Doch dann erscheint ein Raumschiff, begleitet von lockerer Popmusik, und ein rätselhafter Eindringling entführt einige unserer Lieblingslegofiguren ins sagenumwobene Systar-System. Emmet und Pflanziska eilen zur Rettung!

© Warner Bros. Pictures

The LEGO Movie 2 (USA 2019)
Originaltitel: The LEGO Movie 2: The Second Part
Cast: Chris Pratt, Will Arnett, Elizabeth Banks
Regie: Mike Mitchell

Kritik:

Schließt die Augen. Geht in euch. Atmet tief durch. Und jetzt stellt euch dieses Gefühl vor, mit nacktem Fuß auf einen am Boden liegenden Legostein zu treten. Spürt ihr dieses einmalige Brennen, wenn sich die kleinen Pinöppel in die Haut bohren? Diesen ohrenbetäubenden Hilfeschrei eurer Fußsohlen? Willkommen im Alptraum eines jeden Kinderzimmerbetreters. Es war nur eine Frage der Zeit, bis diese Horror-Situation in einem der LEGO-Filme aufgegriffen wird. Für einen Moment des kollektiven Vor-Schmerz-Gesichtverzerrens im Publikum ist bei „The LEGO Movie 2“ also schonmal gesorgt. Und sonst so?

Als 2014 der erste Kinofilm basierend auf dem beliebten dänischen Spielzeug das Licht der Kinowelt erblickte war die Überraschung groß. Wer hätte ahnen können, dass so ein anarchischer, mit Popkulturreferenzen überhäufter, rastloser Sonderling in Gewandt eines Familienfilmes über uns herfällt? Die Anerkennung dafür erhielt, vollkommen zu Recht, das Drehbuchautoren- und Regieteam Phil Lord und Chris Miller, die spätestens von diesem Moment an den Ruf haben sollten, aus jeder noch so beknackten Idee etwas mindestens Vorzeigbares zu zaubern. Nach den beiden gelungenen, aber nicht mehr ganz so frischen Ablegern „The LEGO Batman Movie“ und „The LEGO Ninjago Movie“ kehren Lord und Miller nun wieder in aktiverer Rolle zurück. Wenn auch nicht so aktiv wie damals. Denn zwar geht das Drehbuch zur ersten richtigen Lego-Film-Fortsetzung auf ihre Kappen, das Regiezepter übergaben sie aber an Kollege Mike Mitchell.

© Warner Bros. Pictures

Der hat zuvor Animations- und Halbanimationsfilme wie „Trolls“ und „Alvin und die Chipmunks 3: Chipbruch“ inszeniert. Mit gutem Willen betrachtet heißt das, der Gute hat bereits Erfahrung mit reinen bunten CGI-Welten als auch mit der Führung von realen Schauspielern sammeln können. Gute Voraussetzungen. Doch der Pessimist in uns muss sich eingestehen: Seine bisherigen Werke reichen nicht annähernd an die Brillanz von „The LEGO Movie“ heran. Wie wirkt sich die Staffelweitergabe nun also aus? Die einfache Antwort: Sie ist nicht zu bemerken. Mitchell imitiert den von seinen Vorgängern etablierten Pseudo-Stop-Motion-Stil nahezu perfekt, lässt uns erneut Beobachter einer zu Leben erweckten Lego-Figuren-Welt werden. Eigene audiovisuelle Impulse mag er dem neuen Klötzchen-Streich zwar nicht geben, aber Emmets beide Abenteuer fühlen sich wie aus einem Guss an. Das passt einfach.

Wie bei Teil 1 jagt die Geschichte oberflächlich betrachtet durch einen irrsinnig großen Baukasten aus Popkulturzitaten, Wortspielereien und hyperaktiver Komik. Nicht selten überschreiten dabei die knallig bunten Bilder die Sollbruchstelle zum surrealen Beinahe-Drogenrausch. Keine Frage: Inhaltlich und visuell werden hier kleinere Kinder erbarmungslos abgehangen. Für die Kleinsten ein Manko, für die Größeren im Saal aber das besonders Reizvolle der Filmreihe. Wie in dem Vorgänger als auch in den beiden Spin-offs haben vor allem Jugendliche und Erwachsene Spaß an der Klötzchenparty und freuen sich über Cameos von Superhelden und Actionstars, über ironisch gebrochene emotionale Momente und Musicalnummern, über grotesk hässliche Figurenschöpfungen, parodistische und satirische Einschübe, Raumschiffirrsinn, Regenbogenkotze und mit Hanteln trainierende Velociraptoren.

© Warner Bros. Pictures

Tiefgreifender geschaut verbirgt sich aber erneut mehr hinter diesem Irrsinn, der den Kinosaal temporär in ein mit Discolicht attackiertes Spielzimmer verwandelt. Sogar mehr noch, als es bei „The LEGO Movie“ der Fall war. Der überraschte damals mit einem Realfilm-Twist, der den dargebotenen Streit zwischen freier Kreativität und erzwungener Kontrolle mit einem Vater-Sohn-Konflikt verschmolz. Die Prämisse, dass die Lego-Animationswelt eingebettet ist in unserer Realität, ist nun also bekannt. Folgerichtig macht „The LEGO Movie 2“ von Beginn an keinen Hehl daraus, dass die Handlung um die entführten Charaktere ein weiteres Mal ausgelöst und gesteuert wird durch Ereignisse in der Wirklichkeit. Doch darüber, wie genau die aussehen, werden wir im Unklaren gelassen, was auf Zuschauer, die an der zweiten Bedeutungsebene Interesse haben, einen nicht zu unterschätzenden Miträtsel-Reiz ausübt.

Themen wie Erwachsenwerden und Pubertät, das Erlöschen kindlicher Fantasie sowie Geschwister-Streitigkeiten werden mit einer beispiellosen Kreativität umgesetzt. Mitunter ist sogar das gesamte Geschehen ein Bildnis für komplexe Gefühlswelten. Die Apokalypstadt steht für etwas anderes genauso wie das fette Raumschiff in Form einer großen Faust. Namen wie das „Systar-System“ oder Königin „Wasimma Si-Willi“ geben Hinweise auf das, was die Lego-Helden hinter der vierten Wand der fantasiereichen Steinchen-Welt erwartet. Selbst mit dem fiesen Ohrwurm-Angriff „Hier ist alles super!“ wird ganz im Sinne der tieferen Bedeutung gekonnt gespielt. Am Ende fügt sich alles zu einem stimmigen Gesamtbild, doch steht sich „The LEGO Movie 2“ mit seiner ausgebauten zweiten Ebene ein wenig im Weg. Bei der Erstsichtung wird vieles noch nicht so klar, wirkt vieles noch etwas zu konstruiert und gewollt. Erst mit der Auflösung im Hinterkopf mach das Ganze noch einmal mehr Spaß. Das diesjährige LEGO-Filmchen ist prädestiniert dafür, ein zweites Mal gesehen zu werden. Und ein drittes Mal. Und ein viertes…

Fazit:
Stein auf Stein wächst das Lego-Filmuniversum-Türmchen. Und wenn es so weitergeht, dürfen gerne noch ein paar Klötzchen oben draufkommen. „The LEGO Movie 2“ ist erneut eine irrwitzige Achterbahnfahrt mit Hyperaktivitäts-Antrieb, die neben ihrer Komik auch einen kreativen Blick auf die Gefühlswelt eines Heranwachsenden bietet. Jüngeren Kindern könnte aber schnell übel werden.

8/10

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