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Comic Con: Marvel stellt Zukunft nach „Endgame“ vor

21. Juli 2019, Christian Westhus


Die Comic Con in San Diego war einmal mehr ein gewaltiges Nerd-Treffen und ein gewaltiger Sturm neuer Ankündigungen, Bilder und Trailer dessen, was die großen Studios in TV und Kino für die absehbare Zukunft parat haben. Nach ein paar leisen Jahren wurde es dieses Jahr wieder besonders laut, u.a. da Disney/Marvel Studios nicht auf die hauseigene Disney Con warteten, sondern hier den neuen Weg des MCUs nach „Infinity War“/„Endgame“ erstmalig mit der Öffentlichkeit teilten. Bis Winter 2021 legte Mastermind Kevin Feige den Plan vor, mit fünf Kinofilmen und fünf neuen offiziellen Marvel Studio MCU-Serien für den anlaufenden Disney+ Streamingdienst. Und selbst für die noch so weit entfernt scheinende Zukunft von 2022 und darüber hinaus gab es erste kleinere und größere Hinweise. Disney ist weiterhin mit voller Kraft auf dem Weg zur popkulturellen Monokultur, doch kann man sich den Reizen insbesondere des MCUs wirklich entziehen? Werfen wir einen genaueren Blick auf das was uns bevorsteht.

(C) Marvel Studios

(C) Marvel Studios

Was kommt:
Black Widow: (20. Mai 2020) Inszeniert von Cate Shortland (Berlin Syndrome), mit Scarlett Johansson, Florence Pugh, David Harbour, Rachel Weisz. Spielt vermutlich vor Natasha Romanoffs erstem Auftritt in „Iron Man 2“, obwohl es auch Theorien gibt, dass die Handlung nur eine kurze Zeit vor „Infinity War“ angesiedelt ist. Ein Prequel ist es so oder so.
The Falcon and the Winter Soldier: Herbst 2020, Disney+. Die erste große Disney+ MCU Serie um Bucky und Neu-Cap Falcon. U.a. wird Daniel Brühl als Baron Zemo zurückkehren.
The Eternals: (06. November 2020) Inszeniert von Chloé Zhao (The Rider), mit Angelina Jolie, Richard Madden, Kumail Nanjiani, Salma Hayek u.a. Um eine Rasse intergalaktischer, immens mächtiger und unsterblicher Wesen.
Shang-Chi and the Legend of the Ten Rings: (12. Februar 2021) Kinofilm über den mächtigen Kung-Fu Meister gespielt von Simu Liu. Der legendäre Tony Leung soll den Mandarin spielen, den echten Mandarin, nicht die „Iron Man 3“ Version. Regie führt Destin Daniel Cretton (Short Term 12, Schloss aus Glass)
WandaVision: Frühling 2021, Disney+. Serie über Scarlet Witch Wanda Maximoff und The Vision, erneut gespielt von Elizabeth Olsen und Paul Bettany. Soll nach „Endgame“ spielen, was bzgl. Vision einige Fragen aufwirft. Aber Wanda hat gewisse Mächte, das eröffnet Möglichkeiten…
Doctor Strange in the Multiverse of Madness: (07. Mai 2021) Erstes Solo-Sequel für Doctor Strange, erneut unter der Führung von Scott Derrickson. Elizabeth Olsen als Scarlet Witch soll als zweite Hauptrolle dabei sein. (Und wie wunderbar ist eigentlich der Titel?)
Loki: Frühling 2021, Disney+ Serie. Tom Hiddleston gibt erneut Thors Bruder Loki in einer Spin-Off Serie. Wo diese zeitlich einzusortieren wäre, ist aktuell noch offen. Beliebteste Theorie: Eine Loki Version in „Endgame“ verließ ihren eigentlichen Weg und befindet sich nun in einer alternativen Zeitlinie.
What if…?: Sommer 2021, Disney+. Animierte Anthologie Serie basierend auf der Comicreihe, in der „Was wäre wenn?“ Szenarien des Universums durchgespielt werden. Was wäre zum Beispiel, wenn Captain America US-Präsident wäre, wenn Tony Stark und Doctor Strange Brüder wären etc.
Hawkeye: Herbst 2021, Disney+. Spin-Off Serie über Hawkeye, dessen Jahre zwischen „Infinity War“ und „Endgame“ und insbesondere über die junge Kate Bishop, die in den Comics die Nachfolge von Clint Barton übernahm.
Thor: Love and Thunder: (05. November 2021) 4. Solofilm über Thor, erneut unter der Regie von „Ragnarok“ Macher Taika Waititi. Die Ereignisse von „Infinity War“ und „Endgame“ dürften einige Fragen aufwerfen, was hier zu erwarten ist. Der Clou: Natalie Portman wird zurückkehren und soll ein/e neue/r Thor bzw. Mjölnir-Träger werden. Wie genau das funktioniert, wie sie auserwählt wird, ob sie Thor nur in seiner Guardians/Slim Fast Phase vertritt, bleibt abzuwarten.

(C) Getty Images, Marvel Studios

(C) Getty Images, Marvel Studios

Was ist neu/Was wissen wir:
Vom „Black Widow“ Film abgesehen, bestätigen die weiteren vier angekündigten Titel das, was Kevin Feige halbvage schon vor einiger Zeit behauptete: das MCU wird größer, magischer, intergalaktischer. Shang-Chi selbst hat (offiziell) keine Superfähigkeiten, ist aber als Chinese in einem bisher im MCU wenig beachteten Teil der Erde angesiedelt. Der Mandarin und die 10 Ringe sind hingegen alles andere als irdisch-bodenständige Herausforderungen, Doctor Strange kämpft sich derweil durch alternative Universen, die Eternals sprechen für sich und Thor wurde ohnehin an die kosmische Andersartigkeit der Guardians angepasst. Die Guardians selbst und die ebenfalls galaktisch umherreisende Captain Marvel (s.u.) warten ja auch noch auf Fortsetzungen.

Die Disney+ Serien werden eine engere Bindung ans Kino-MCU haben als die bisherigen Marvel-Serien wie „Agents of SHIELD“, „Daredevil“ oder „Jessica Jones“. Nicht ohne Grund tauchen die Titel von Kino und TV ohne echte Unterscheidung auf dem selbst Phase IV Fahrplan auf, auch gibt es u.a. mit Elizabeth Olsen Darsteller, die auf zwei Hochzeiten tanzen. Soll heißen: die Handlungen der Serien sind konkret mit der Kinowelt verknüpft und beide Seiten werden konkrete Auswirkungen aufeinander haben. Das heißt übersetzt: Marvel/Disney zwingen uns regelrecht dazu, keines ihrer Produkte zu ignorieren.

Mit Cate Shortland, Chloé Zhao und Destin Daniel Cretton holt sich das MCU nicht nur drei nicht-weiße/-männliche Regisseure ins Haus, sondern auch verhältnismäßig unbekannte Filmemacher aus dem Indie-Sektor, die bisher überwiegend über (sehenswerte!) Charakterfilme aufgefallen sind.

Blade, der Daywalker, wird offiziell ins MCU zurückkehren. Der zuvor von Wesley Snipes verkörperte Halbvampir-Vampirjäger soll einen neuen Film erhalten. Gespielt wird er von Oscargewinner Mahershala Ali (Moonlight, Green Book, Alita). Start: noch offen.

Kevin Feige sagt, ein neuer Versuch, die „Fantastic 4“ auf die Leinwand zu bringen, nun erstmalig von Marvel selbst, sei aktiv in Arbeit. Vor 2022/23 wird aber sicherlich nicht damit zu rechnen sein.

Valkyrie ist (wir haben alle „Endgame“ gesehen, oder?) neuer „King“ (König(in)) von Asgard. Und Tessa Thompson erklärte, in Thor 4 sei Valkyrie u.a. auf der Suche nach einer Königin an ihrer Seite. Man kann sicherlich lange über Repräsentation zu Marketingzwecken diskutieren, aber für das MCU ist es überfällig. Einer erster Schritt auf dem Weg, bis solche Details nicht länger bemerkenswerte Nachrichten sind.

(C) Marvel Studios

(C) Marvel Studios

Was fehlt:
James Gunn wurde als Regisseur des dritten Guardians Films zurückgeholt, ist aber zunächst mit einem zweiten/neuen „Suicide Squad“ Film für die Konkurrenz von Warner/DC beschäftigt. Marvels Plan bis Winter 2021 lässt eigentlich wenig Raum für einen weiteren Film, doch wo ein Wille ist… Könnte dann ein Kandidat für 2022 sein.

Fortsetzungen zu „Black Panther“ und „Captain Marvel“ sind eigentlich sicher und konkret in Planung, wurden aber nicht offiziell oder zumindest nicht mit offiziellem Startdatum angekündigt. Dürften dann erst 2022 oder später erscheinen.

Keine Erwähnung erhielten die X-Men, die nun bekanntlich ebenfalls zu Marvel Studios gehören. Kevin Feige sagte bereits zuvor, dass man es mit den X-Men nicht zu eilig habe. Dass sie früher oder später zurückkommen, gilt als sicher. Und schon lange vorher gibt es ja nun die Möglichkeit, kleinere und größere Elemente aus der X-Men Welt ins MCU zu integrieren, seien es Figuren, Orte, Objekte oder Namen.

Q:
Marvel Studios
Variety.com
io9.com

Autor: Christian Westhus

Ein echter Ostwestfale. Gebürtig aus einer kleinen Doppelstadt, die niemand kennt, studierte Literatur in einer Stadt, die es angeblich nicht gibt (Bielefeld). Arbeitet seit 2006 für BereitsGesehen, schreibt Kritiken und Kolumnen, gehört zum Podcast Team und ist einmal im Monat beim KultKino in Lippstadt zu sehen.